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E-Scooter-Reichweite: Was die Herstellerangabe bedeutet

Illustration: E-Scooter am Anfang einer langen Landstraße

Kurz gesagt: Die Reichweite im Datenblatt gilt fast immer für gute Bedingungen. Meist sind das 75 Kilogramm Fahrergewicht, gleichmäßige 15 km/h, 25 °C und eine ebene Strecke. Im Alltag kommst du weniger weit: Der ADAC fuhr 2026 mit 90 Kilogramm und voller Geschwindigkeit und maß bei zehn E-Scootern 33,8 bis 47,9 Kilometer.

Wie viel dir am Ende bleibt, hängt vor allem von Tempo, Gewicht und Temperatur ab. Hier liest du, wie die Hersteller messen, wie du ihre Angaben richtig liest und welche Modelle laut Hersteller am weitesten kommen.

So messen die Hersteller

Für E-Autos gibt es mit WLTP ein einheitliches Messverfahren, für E-Scooter nicht. Die Verordnung für E-Scooter, die eKFV, regelt Technik und Fahrregeln, aber nicht, wie die Reichweite zu messen ist. Jeder Hersteller legt seine Bedingungen deshalb selbst fest, und viele nennen sie gar nicht.

Wir haben die Angaben aller 136 E-Scooter mit Reichweite in unserer Datenbank ausgewertet. So oft nennen die Hersteller welche Bedingung:

Testbedingung Angaben (von 136)
keine Bedingungen genannt 45
Fahrergewicht genannt 78, davon 66-mal 75 kg
Tempo genannt 66: 44-mal 15 km/h, 20-mal 20 km/h, 2-mal 10 km/h
Temperatur genannt 60, davon 55-mal um 25 °C
ebene Strecke 55
Wind (meist „windstill“) 29

Ein typischer Messwert stammt also von einer leichten Person, die bei Sommerwetter langsam und gleichmäßig über ebenen Asphalt rollt. Zwei Angaben beruhen sogar auf 10 km/h, also auf der Hälfte des erlaubten Tempos. Und wer nur „bis zu“ schreibt, ohne Bedingungen zu nennen, legt sich auf gar nichts fest.

Es gibt auch Gegenbeispiele. Segway gibt für den Ninebot MAX G3 Pro D neben 120 km bei 15 km/h auch einen Wert nach einem eigenen „Real Range“-Verfahren an: 100 km mit Vollgas, bis das Tempo auf 60 Prozent fällt.

Was im Alltag übrig bleibt: der ADAC-Test

Der ADAC hat zehn E-Scooter zwischen 499 und 799 Euro getestet und die Ergebnisse im Juli 2026 veröffentlicht. Für die Reichweite fuhr er auf dem Prüfstand mit 90 Kilogramm, eingeschaltetem Licht, dem höchsten zulässigen Reifendruck und voller Geschwindigkeit, je nach Modell 20 bis 22 km/h.

Gemessen hat er zwischen 33,8 Kilometern beim Streetbooster Sirius und 47,9 Kilometern beim Odys Ultron i75. Den größten Abstand zur Herstellerangabe fand der ADAC beim Segway Ninebot F3 Pro D. Segway nennt für dieses Modell 70 km bei 15 km/h und 60 km bei 20 km/h.

Zum Vergleich: In derselben Preisklasse versprechen die Hersteller in unserer Datenbank 45 bis 100 km, im Median 67,5 km. Das betrifft 16 Modelle, für die wir einen Preis zwischen 499 und 799 Euro führen.

Tempo kostet Reichweite, sagen die Hersteller selbst

Bei 18 E-Scootern in unserer Datenbank nennt der Hersteller zwei Werte: einen bei 15 und einen bei 20 km/h. Bei 20 km/h ist die Reichweite um 6 bis 22 Prozent kleiner, im Median um 14 Prozent.

Beispiel: Der NAVEE GT5 Max kommt laut NAVEE bei 15 km/h 90 km weit, bei 20 km/h nur 70 km. Die Fahrmodi zeigen dasselbe. SoFlow nennt für den SO4 PRO GT 2 im Langstreckenmodus mit höchstens 15 km/h 100 km, im Komfortmodus 85 km und im Sportmodus 75 km.

E-Scooter dürfen höchstens 20 km/h schnell sein (§ 1 eKFV). Wenn du meist mit Höchsttempo unterwegs bist, rechne deshalb mit dem Wert bei 20 km/h, nicht mit der 15-km/h-Zahl.

Diese Modelle kommen laut Hersteller bei 20 km/h am weitesten:

Modell bei 20 km/h bei 15 km/h Akku
NAVEE UT5 Max 82 km 100 km 716 Wh
NAVEE NT5 Max 75 km 85 km 562 Wh
Segway Ninebot MAX G3 D 75 km 80 km 597 Wh
NAVEE GT5 Max 70 km 90 km 597 Wh
NAVEE ST5 Max 70 km 90 km 597 Wh
NAVEE UT3 Max 70 km 90 km 597 Wh
NAVEE GT3 Max 65 km 75 km 597 Wh
NAVEE GT5 Pro 65 km 75 km 562 Wh

Herstellerangaben, nicht von uns gemessen. Die Liste enthält nur Modelle, für die der Hersteller beide Werte nennt. Dass NAVEE so oft vorkommt, liegt vor allem daran, dass NAVEE den Wert bei 20 km/h konsequent angibt.

Was die Reichweite sonst noch drückt

Dein Gewicht und dein Gepäck

Wo die Hersteller ein Gewicht nennen, sind es fast immer 75 kg. Der ADAC misst mit 90 kg, weil das angenommene Gewicht oft nicht zur Wirklichkeit passt. Jedes Kilo mehr kostet Energie, vor allem beim Anfahren und bergauf.

Kälte

Bei niedrigen Temperaturen sinkt die Reichweite des Akkus, darauf weist der ADAC hin. Eine belastbare Prozentzahl für E-Scooter gibt es nicht. Wo die Hersteller eine Temperatur nennen, sind es fast immer rund 25 °C. Lade den Akku im Winter in einem beheizten Raum, so rät es auch der ADAC.

Reifendruck

Einige Hersteller nennen den Reifendruck als Testbedingung, etwa 3 bar bei ePowerFun oder 4 bar bei IO Hawk. Auch der ADAC hat mit dem höchsten zulässigen Druck gemessen. Prüfe den Luftdruck deshalb regelmäßig nach der Angabe auf dem Reifen oder in der Anleitung.

Steigungen, Wind und Ampeln

Bergauf, gegen den Wind und bei vielen Stopps braucht der Motor mehr Energie. Die Herstellerwerte gelten dagegen für ebene Strecken bei konstantem Tempo, oft ausdrücklich windstill.

Alter des Akkus

Manche Hersteller messen ausdrücklich mit einem neuen, voll geladenen Akku. Mit den Jahren und vielen Ladungen verliert ein Lithium-Ionen-Akku Kapazität. Die Reichweite deines Scooters wird dann Schritt für Schritt kleiner.

Besser vergleichen: die Akkugröße in Wattstunden

Weil jeder Hersteller anders misst, taugt die Reichweite kaum zum Vergleich zweier Modelle. Aussagekräftiger ist die Energie im Akku, angegeben in Wattstunden (Wh).

Steht sie nicht im Datenblatt, rechnest du sie selbst aus: Spannung mal Kapazität. Ein Akku mit 48 Volt und 15 Amperestunden speichert 720 Wh.

In unserer Datenbank reicht die Spanne von 165 bis 1.680 Wh, der Median liegt bei 597 Wh. Bei den 132 Modellen mit Akkuangabe wächst die angegebene Reichweite fast im Gleichschritt mit der Akkugröße. Haben zwei Scooter einen ähnlich großen Akku, aber sehr unterschiedliche Reichweiten, lohnt deshalb ein Blick auf die Testbedingungen.

Die E-Scooter mit der größten Reichweite laut Hersteller

Modell Reichweite So gemessen Akku Gewicht
EVERCROSS EV10S MAX ABE (27 Ah) 150 km 75 kg, ebene Straße, kein Tempo genannt 1.296 Wh 23,1 kg
ePowerFun ePF-3 1200 140 km 75 kg, eben, 3 bar, 25 °C, Ø 20 km/h 1.200 Wh 24,9 kg
IO Hawk Elite X 3.0 140 km 75 kg, trocken, eben, windstill, 4 bar, Leistungsstufe 1 1.680 Wh 39 kg
RCB D5 PRO ABE Ultra 140 km keine Bedingungen genannt 1.296 Wh 28 kg
RCB D7 PRO ABE Ultra 140 km 75 kg, 20 °C 1.296 Wh 29,5 kg
Segway Ninebot MAX G3 Pro D 120 km 15 km/h (nach „Real Range“ 100 km) 899 Wh 24,9 kg
NAVEE XT5 Max 110 km 75 kg, 15 km/h, eben (bei 22 km/h 84 km) 899 Wh 35,6 kg
Egret GT 100 km 75 kg, 15 km/h im Eco-Modus, 25 °C 949 Wh 33,2 kg
Egret Unit 100 km 75 kg, 15 km/h, 25 °C 730 Wh 27,7 kg
NAVEE UT5 Max 100 km 75 kg, 15 km/h (bei 20 km/h 82 km) 716 Wh 34 kg

Herstellerangaben, nicht von uns gemessen. Bei gleicher Reichweite stehen die Modelle in alphabetischer Reihenfolge.

Auffällig: Die fünf Spitzenreiter haben alle einen Akku mit mehr als 1.000 Wh. Unter ihnen nennt nur ePowerFun den Wert für 20 km/h.

Wie viel Reichweite brauchst du?

Rechne deine tägliche Strecke für Hin- und Rückweg zusammen und plane eine Reserve ein. Beispiel: Du fährst 8 km zur Arbeit, also 16 km am Tag. Selbst das schwächste Modell im ADAC-Test schaffte mit 33,8 km mehr als das Doppelte.

Willst du nur alle paar Tage laden, nimm die Tagesstrecke mal die Zahl der Tage. Vergleiche das Ergebnis mit dem Wert bei 20 km/h, nicht mit dem Höchstwert. Im Winter plane mehr Reserve ein.

Mehr Reichweite heißt fast immer mehr Akku und mehr Gewicht. Die zehn Modelle aus der Tabelle oben wiegen 23,1 bis 39 kg. Trägst du den Scooter oft Treppen hoch oder in den Zug, zählt jedes Kilo.

Häufige Fragen

Wie weit fährt ein E-Scooter mit einer Akkuladung?

Laut Hersteller liegen 97 der 136 Modelle in unserer Datenbank zwischen 40 und 99 km, der Median bei 65 km. Im ADAC-Test mit 90 kg und Höchsttempo kamen die zehn Modelle 33,8 bis 47,9 km weit.

Wie bekomme ich mehr Reichweite aus meinem Scooter?

Fahr im Eco- oder Langstreckenmodus, halte den Reifendruck, lade im Warmen und lass unnötiges Gepäck zu Hause. Finger weg von Umbauten an Akku, Motor oder Steuerung: Erlischt die Betriebserlaubnis, darf der Scooter nicht mehr auf die Straße (§ 2 Abs. 3 eKFV).

Hilft ein Wechselakku?

Nur bei 7 der 144 E-Scooter in unserer Datenbank nennt der Hersteller einen herausnehmbaren Akku. Wenn du ein solches Modell findest, verdoppelt ein zweiter Akku die Reichweite, kostet aber extra und muss mit.

Fazit: Herstellerwert als Obergrenze lesen

Die Reichweite im Datenblatt ist ein Wert unter guten Bedingungen, kein Alltagswert. Für deine Planung zählen der Wert bei 20 km/h, die Akkugröße in Wattstunden und eine Reserve für Kälte und Steigungen.

In unserer Übersicht E-Scooter mit Straßenzulassung kannst du nach Reichweite sortieren und nach „Ab 60 km Reichweite“ filtern. Bis zu vier Modelle stellst du im Vergleich nebeneinander. Was sich 2027 bei den Regeln ändert, steht im Ratgeber E-Scooter-Regeln 2027.

Quellen

  1. stromspur.de, eigene Auswertung der Herstellerangaben zu 144 E-Scootern (136 mit Reichweite), Stand der Fahrzeugdaten 25.10.2026; die einzelnen Herstellerquellen stehen auf den Modellseiten
  2. ADAC, „E-Scooter-Test 2026“ vom 29.07.2026: adac.de, abgerufen am 25.10.2026
  3. ADAC, Pressemitteilung „Elektroautos und E-Scooter im Winter“ vom 13.12.2019: presse.adac.de, abgerufen am 25.10.2026
  4. Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV), § 1 und § 2: gesetze-im-internet.de, abgerufen am 25.10.2026
  5. Segway, Shop-Seiten Ninebot F3 Pro D, MAX G3 D und MAX G3 Pro D mit Testbedingungen: shop.segway.com, abgerufen am 22.10.2026
  6. NAVEE, Produktseiten und FAQ zu GT5 Max, UT5 Max, XT5 Max u. a.: naveetech.de, abgerufen am 22.10.2026
  7. SoFlow, Bedienungsanleitung SO4 PRO GT 2 / SO4 PRO CORE 2, Stand 10.09.2026: soflow.com, abgerufen am 22.10.2026
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